2 Tage Leichtathletik – two days of track and field

Eröffnung und eingeübte Jubelchoreografien

Am Donnerstag wurden die jährlichen Leichtathletiktage, die jede chinesische Uni veranstaltet, mit einer pompösen Eröffnungsfeier eingeläutet. Wir durften auch an der Zeremonie teilnehmen und unsere kleinen Länderflaggen schwingend zu feierlicher Musik ins Stadion einlaufen. Moderation, Jubel von den Rängen und alles was dazu gehört. Es war wirklich rührend und die Stimmung grandios – Mini-Olympische Spiele Feeling mit Gänsehaut!

Ich war die einzige mit einem deutschen Fähnchen und habe mich zwischen all meinen internationalen Freunden sehr wohl gefühlt.

Die ersten Wettkämpfe waren dann die 100m Sprints. Auch die Lehrer haben ihre eigenen Läufe und die Beteiligung war ziemlich groß, da sie wohl dazu angehalten werden. Manchmal war das ein bisschen witzig, aber ziemlich oft überraschten manche Lehrer auch mit sehr guten Leistungen.

Außerdem gab es ganz viele verschiedene Cheerleader und Tanzgruppen, die während der Wettkämpfe zusätzlich Programm boten.

Die Studenten aus dem ersten Jahr müssen an beiden Tagen im Stadion sein und zuschauen. Ältere Studenten können kommen, wenn sie möchten. Die meisten Fachrichtungen stellen ihren Studenten irgendwelche Klatschinstrumente zur Verfügung und manche haben sogar große Trommeln und bestimmte Jubelchoreografien eingeübt. Das mit diesen Choreografien und den taktgebenden Trommeln fand ich anfangs noch etwas seltsam, aber eigentlich haben wir das in den Fußballstadien ja auch.

Sehr positiv war auch, dass jeder unterstützt wurde – egal von welcher Schule und nicht nur die eigenen Sportler. Auch gerade wenn jemand nicht so gut war, aber sich offensichtlich noch ins Ziel kämpfte wurde es laut auf den Rängen.

Mein 3000m Lauf

Ich hatte mich ein paar Wochen vor dem Wettkampf für die 3000m gemeldet. Damals völlig außer Form hoffte ich darauf einen (ja, ich weiß…wenig nachhaltigen) Trainingsturbo hinzulegen, was mehr oder weniger gut klappt. Das Basketballtraining (dazu kommt auch noch ein Artikel) kam oft dazwischen und so bin ich eigentlich ziemlich wenig gelaufen. Der Wettkampf war irgendwie unberechenbar: ich hatte keine Ahnung, wie schnell ich laufen konnte und auch keinerlei Orientierung, wie schnell die anderen wohl sein würden. Außerdem war es heiß und das bin ich auch nicht gewöhnt. Der Sommer kam jetzt ziemlich plötzlich. Um 14.30 Uhr hatte es 29 Grad im Schatten und die Aschebahn lag noch in der Sonne.

Insgesamt starteten 35 Läuferinnen und ich war in Startgruppe 2 eingeteilt. Der erste Lauf beruhigte mich ein bisschen. Die Mädels waren größtenteils nicht besonders schnell unterwegs. Ich hatte für die Siegerin im ersten Rundgang eine Zeit von ca. 13:25 min gestoppt.

In meinem Lauf gab es erst mal Verwirrung beim Start. Nach ca. 150m wurden wir aufgehalten, weil die Zeit nicht korrekt genommen wurde. Also nochmal zurück und ein weiteres Mal starten. Ich setzte mich an die Spitze, weil ich nicht riskieren wollte, dass unser Lauf verbummelt wird und wir womöglich noch langsamer ankommen, als die erste Startgruppe.

Überraschenderweise war da noch eine Chinesin, die das ähnlich sah und sie wollte unbedingt vorne laufen. War okay für mich und mir sogar lieber, da ich jemanden hatte, der das Tempo hochhielt. Omar stand an der Strecke und ich hatte ihm eingeschärft mir die Rundenzeiten zu nennen – hörte ganz gut an und ich war mir sicher, dass wir schneller unterwegs sind als die Siegerin des ersten Laufes.

Es wurde schon ziemlich schnell ein bisschen anstrengend. Keine Grundlage ist dann doch nicht so gut. Aber ich konnte durchhalten, weil die Studenten auf den Rängen alles gaben, um uns anzufeuern. Zum Zeitpunkt meins Laufes waren das, grob geschätzt, so um die 8000 – 10 000 Zuschauer.

In der letzten Runde mussten meine Laufpartnerin und ich wieder einige Leute überrunden und ca. 150 m vor dem Ziel nutzte ich die Chance anzugreifen und das Tempo zu erhöhen. Die Chinesin war wohl überrascht, konnte nur kurz folgen und war dann demoralisiert. Die letzten hundert Meter genoss ich die Anfeuerungen und gab alles! Beim Zieleinlauf war ich echt kaputt. Das sieht man auch. 😉

Ich konnte der Chinesin auf den letzten 150m noch ca. 10 Sekunden abnehmen und kam nach 12:44min ins Ziel. Vor einigen Jahren wäre ich bei dieser Zeit im Boden versunken. Gestern war das allerdings eher zweitrangig. Ich freute mich über den stimmungsmäßig schönsten Wettkampf meines Lebens!

Die Chinesin tat mir ein bisschen Leid, da sie eigentlich fitter war, aber taktisch unklug gelaufen ist. Auf der Zielgeraden konnte man, wenn man eine Bahn nach rechts wechselte im Schatten laufen. Anscheinend dachte sie, dass das hilft und machte immer zwei Schritte nach rechts. Ich lief auf der Innenbahn weiter und war dann knapp vor ihr. Zu Beginn der Stadionkurve versuchte sie jedes Mal wieder an die Spitze zu kommen. Ich weiß aus meiner Zeit als aktive Läuferin noch, dass es nicht so klug ist zu Anfang der Kurve zu überholen, da der Weg länger ist. Ich machte mir ihre Versuche in der Kurve zu überholen also zunutze und legte ein klein bisschen an Tempo zu. Diese kleinen Verschärfungen haben der Chinesin den Zahn gezogen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal taktisch laufe. In meiner aktiven Zeit als Läuferin und Triathletin war ich häufig nur gegen die Uhr unterwegs und die Trillerpfeife von Fritz Stadler, dem besten Trainer überhaupt, war die hauptsächliche Anfeuerung.

Im Interview mit dem Schulradio konnte ich auch gar nicht oft genug erwähnen, wie toll ich das Publikum fand. 😉

贝蒂 (beidi) ist mein chinesischer Name

 

 

======English======

Opening ceremony and cheering drills

Thursday the school’s annual track and field days (every university in China does this once a year) were started off with an impressive opening ceremony. We were allowed to take part in the ceremony and many of the Internationals were joining. Waving little flags of our home country we entered the stadium accompanied by nice marching music as well as the cheering of thousands of fellow students on the stands and bleachers. The atmosphere was amazing – mini Olympics feeling!

I was the only one holding up my little German flag, but I loved to be amongst all of my international friends.

The first competitons were the 100m sprints. Even the teachers had their own races and a lot of them took part (apparently they are asked to). Sometimes it was quite funny watching the teachers sprint, but there were quite a few that surprised us with very good performances.

The first year students have to be present in the stadium on both days. Older students are free to go. Most of the faculties give their students some kind of clapping instruments and some even have big drums and special cheering choreographies. In the beginning I thought this was a little weird, but when you think of German football stadiums you often find something very similar.

It was really positive that everyone was supported – no matter which school he or she belonged to. Especially if someone was struggling and fighting to reach the finish line the audience cheered extra loud.

My 3000m run

A couple of weeks before the event I registered for the 3000m. I was completely out of shape, but hope to put in some turbo improvements by training unsustainably brutally. The basketball practice (another article on that follows soon) came into my way quite often and I barely went for a run. I went completely clueless into this competition: no idea how fast I could run, no idea how fast the others would run. It was also hot and I am not used to this yet – Chongqing summer came suddenly.

In total 35 girls took part in the race and we were divided into two starting groups. The first group was quite slow and I was getting a little less nervous – at least this would not be a total disaster.

In the German version I talk a lot about my tactics and the details of the race. I did this to report to my former coach Fritz Stadler (best triathlon coach ever!). I guess it is rather uninteresting for most other people, so I skip this here. If someone really misses this part, feel free to comment. 😉

After a tough race with a Chinese girls right next to me or in front of me all of the time I was able to sprint the last 150 m and finally won the race in 12:44min. I would have been ashamed about this time some years back, but now I was very happy! The atmosphere in the stadium was amazing and breathtaking and I would have not been able to perform so well without the cheering audience. This was the best competition atmosphere ever in my whole athletic career and I do not expect anything similar anytime soon.

I also could not keep on talking about this and thanking the audience in the interview with the school radio. Perfect day!

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